Maximales Risiko, minimaler Zeitgewinn

Montag, 05 Oktober 2015 01:23 / 1253 Aufrufe

Maximales Risiko, minimaler Zeitgewinn Foto: Runter vom Gas

Mit so wenig Einsatz wie nötig so viel erreichen wie möglich: In der Wirtschaft ist das sogenannte Minimax-Prinzip eine weitverbreitete Grundregel für Entscheidungen. Auf deutschen Straßen sieht das leider anders aus: Denn für nur wenige Sekunden Zeitgewinn setzen viele Fahrer regelmäßig ihr Leben aufs Spiel – bei riskanten Überholmanövern.

Jeder vierte schwere Unfall in Deutschland passiert wegen falschen Überholens – dies haben Experten der ADAC Unfallforschung 2011 herausgefunden. Bei einer Umfrage des ADAC gab außerdem jeder zweite Autofahrer zu, mindestens schon ein Mal beim Überholen in eine kritische Lage geraten zu sein. Und nur jeder Zwölfte hält Überholen für ungefährlich. An Risikobewusstsein mangelt es offensichtlich nicht. Warum setzen dann so viele Auto- und Motorradfahrer regelmäßig ihr Leben aufs Spiel?

Gründe für Überholmanöver

Die Gründe für das Überholen sind vielschichtig. Die einen sind in Eile oder schlichtweg ungeduldig. Andere wiederum neigen dazu, den Straßenverkehr als sportlichen Wettkampf zu sehen – frei nach dem Motto „der Schnellere gewinnt“. Häufig trägt auch ein trügerisches Sicherheitsgefühl – weil man eine Strecke gut kennt oder schon lange unfallfrei fährt – dazu bei, dass Fahrer den Blick für Gefahrensituationen verlieren. Jungen Fahrern schließlich fehlt oft einfach die Praxis, um Geschwindigkeiten und Entfernungen richtig einzuschätzen.

20 Kilometer Gas geben = 1,5 Minuten Zeitvorteil

Wer glaubt, mit Überholmanövern kostbare Zeit zu sparen, liegt falsch. Bei einem Experiment fand der ADAC heraus: Selbst wenn ein Autofahrer konsequent alle langsamer fahrenden Autos überholt, fährt er auf knapp 20 Kilometer lediglich einen Zeitvorteil von eineinhalb Minuten heraus. Im dichten Verkehr tendiert der Zeitvorteil sogar gegen null. Für ein paar Sekunden nehmen viele Fahrer also nicht nur große Strapazen auf sich, sondern riskieren häufig auch ein Bußgeld – und im schlimmsten Fall: Menschenleben.

Rechte und Pflichten beim Überholen

Grundsätzlich gilt: Nur wer deutlich schneller als der Überholte fährt, darf vorbeiziehen – wohlgemerkt, ohne dabei das Tempolimit zu überschreiten. Wer überholt, muss außerdem sicherstellen, dass er weder den Gegenverkehr noch nachfolgende Verkehrsteilnehmer behindert. Bedenken Sie dabei: Auch die Entgegenkommenden fahren – deshalb steht als Überholstrecke maximal die halbe Sichtstrecke zur Verfügung. Laut ADAC sind bis zu 600 Meter freie Sicht nötig, um einen Lkw sicher zu überholen. Rechtzeitiges Blinken, ausreichender Seitenabstand und die Beachtung von Überholverboten sind ebenso selbstverständlich. Und: Beim Einscheren darf der Überholende den Überholten auf keinen Fall schneiden.

Schlechte Sicht? Vorsicht!

Vor Kurven oder Kuppen, aber auch bei Nebel, Regen, Schneefall oder glatter Fahrbahn ist Überholen lebensgefährlich. Der wichtigste Merksatz lautet: Wenn Sie auch nur den geringsten Zweifel daran haben, dass ein Überholmanöver gelingt – lassen Sie es! Schließlich würden Sie auch nicht russisches Roulette um eine Packung Kaugummi spielen, oder?

 

Weiterführende Links:

DVR-Umfrage unter Autofahrern zu den größten Gefahren in Verbindung mit einer zu hohen oder nicht angepassten Geschwindigkeit

http://www.dvr.de/presse/informationen/grafiken/3750.htm

ADAC Fachdossier „Überholen auf Landstraßen. Motive, Nutzen und Risiken von Überholmanövern“

www.adac.de/_mmm/pdf/Fachdossier_Ueberholen_auf_Landstraßen_68414.pdf

Zum Überholen von Radfahrern

www.adfc-nrw.de/kreisverbaende/kv-bottrop/radverkehr/verkehrsregeln/ueberholen-von-radfahrern.html