16.05.18 - Unfälle beim Grillen: Tipps für die Grillsaison

Mittwoch, 16 Mai 2018 11:03 / 309 Aufrufe

16.05.18 - Unfälle beim Grillen: Tipps für die Grillsaison Foto: Paulinchen e. V.

Sicherheitstipps zum Grillen:

  • Achten Sie darauf, dass der Grill einen sicheren Stand hat. Bauen Sie keine Behelfskonstruktionen.
  • Wenn Sie an einem Lagerfeuer grillen, sorgen Sie für einen nicht brennbaren Streifen (Erde, Sand, Steine) rund um den Grillplatz.
  • Beaufsichtigen Sie den Grill – vor allem, wenn Kinder in der Nähe sind. So können Verletzungen vermieden werden.
  • Gießen Sie niemals Spiritus oder andere brennbare Flüssigkeiten in die Glut! Die dabei entstehende Stichflamme führt zu gefährlichen Verbrennungen.
  • Auch wenn schlechtes Wetter Sie aus dem Garten oder vom Balkon vertreibt – grillen Sie nie in geschlossenen Räumen. Auch zum Abkühlen hat der erloschene Grill hier nichts verloren: Es besteht Lebensgefahr durch tödliche Brandgase!
  • nur feste Grillanzünder aus dem Fachhandel verwenden
  • niemals Spiritus oder andere Brandbeschleunigern verwenden
  • den Grill nicht unbeaufsichtigt lassen
  • den Grill nicht von Kindern bedienen oder anzünden lassen
  • Kinder dürfen nicht in Reichweite des Grills spielen – Sicherheitsabstand von mindestens 2 bis 3 Metern
  • Grillfeuer und die Glut nach dem Grillen vollständig löschen und auskühlen lassen – auch dabei nicht unbeaufsichtigt lassen
  • einen Kübel mit Sand, Feuerlöscher oder Löschdecke zum Löschen des Grillfeuers bereithalten
  • brennendes Fett niemals mit Wasser, sondern durch Abdecken löschen
  • nicht in geschlossenen Räumen grillen und den Grill niemals zum Auskühlen ins Zimmer/in die Wohnung stellen – Es besteht Vergiftungsgefahr!
  • Grillgeräte kippsicher im Windschatten und in sicherer Entfernung von anderen brennbaren Materialien aufstellen
  • Wenn die Party vorbei ist, lassen Sie die Asche komplett abkühlen, ehe Sie sie entsorgen – aber nie in Kartons oder Plastikbehälter

Lisa ist erst drei, als sie durch die Hölle geht. Ein fröhliches Sommerfest wird zum Inferno, als jemand Spiritus auf den Grill gießt, um die Kohlen schneller zu entfachen. Im Bruchteil einer Sekunde schießt durch Verpuffung eine Flammenwand empor. Sie erfasst Lisa, die mit ihrer besten Freundin Anna in der Nähe des Grills spielt. Lisa überlebt schwerverletzt, weil Anna sie noch zurückreißen kann. Doch Lisa wird ihr Leben lang gezeichnet bleiben.

„Wer Brennspiritus in Grillfeuer gießt, setzt immer Menschenleben aufs Spiel“, warnt Anneliese Stapelfeldt eindringlich. Als stellvertretende Vorsitzende von Paulinchen - Initiative für brandverletzte Kinder e.V., erlebt sie Schicksale wie das von Lisa immer wieder und akzeptiert kein Wenn und Aber: „Jeder Grillunfall ist einer zu viel. Denn jeder Grillunfall kann verhindert werden.“

Die Realität indes sieht anders aus. Allein in Deutschland vermeldet die Statistik viertausend Grillunfälle Jahr für Jahr. Vierhundert davon führen zu schwersten Brandverletzungen. Die meisten von ihnen sind verursacht durch den fahrlässigen Einsatz von Brandbeschleunigern. Wie viele Tränen und welch unvorstellbares Leid sich hinter diesen Zahlen verbergen, lässt sich nur erahnen. Häufig sind ausgerechnet unschuldige Kinder, die in der Nähe spielen oder neugierig beim Feuermachen zuschauen wollen, die am schlimmsten betroffenen Opfer. Auf Augenhöhe mit dem Grill werden ihre kleinen Körper von den Flammen oft großflächig und besonders schwer an Gesicht und Oberkörper getroffen.

Verletzungen durch Verbrennungen sind unvorstellbar schmerzhaft und hinterlassen meist Narben an Körper und Seele. Oft verändern thermische Unfälle das gesamte Familienleben, das fortan durch jahrelange Rehabilitation und Therapie bestimmt wird. Nachdem die kleine Anna ihre Freundin Lisa todesmutig zurückgerissen hat, ersticken Helfer die Flammen. Auf die Akutbehandlung folgen endlose Krankenhausaufenthalte, Operationen und Hauttransplantationen. Um Wucherungen der Haut zu verhindern, muss Lisa jahrelang Kompressionsanzüge, Handschuhe und eine Gesichtsmaske tragen. Erst als junge Frau kann sie sich mit ihren Narben als dem ungewollten „gewissen Etwas“ in ihrem Leben versöhnen. Dass der Unfallverursacher wegen fahrlässiger Körperverletzung verurteilt wird, ändert nichts an den Schuldgefühlen, mit denen er seither leben muss. Er würde alles dafür geben, wenn er diesen einzigen Moment, diesen unverzeihlichen Fehler ungeschehen machen könnte.

Brandbeschleuniger beim Grillen sind absolut tabu und sträflicher Leichtsinn, der nach einem Unfall angezeigt und verfolgt wird. „Es ist verwerflich, dass Spiritus in vielen Läden und vor allem an Tankstellen noch immer direkt neben der Grillkohle angeboten wird“, empört sich Anneliese Stapelfeldt. Man sollte sich nicht scheuen, den Ladenbesitzer auf diese lebensgefährliche Verlockung aufmerksam zu machen oder Paulinchen e.V. darüber zu informieren. Manchmal genügt schon ein Anruf, um die Ladeninhaber davon zu überzeugen, dass auch sie in der Verantwortung stehen, Leichtsinn nicht noch leichter zu machen. Wenn man ein Grillfeuer umsichtig entzündet, beaufsichtigt und sich Zeit lässt, ist sicheres Grillen keine Kunst. „Doch Feuer bleibt unberechenbar“, bringt Anneliese Stapelfeldt es auf den Punkt „Deshalb haben Kinder in der Nähe des Grills absolut nichts zu suchen.“

Nach einer Brandverletzung zählt jede Sekunde im Kampf gegen unvorstellbares Leid. Zur Vermeidung von Brandunfällen zählt jeder gewonnene Moment der Achtsamkeit. Denn jede Narbe an kleinen Körpern und Seelen ist eine zu viel.

Tipps zum richtigen Grillen, Erste-Hilfe-Maßnahmen und noch viel mehr gibt es zum Lesen, Bestellen oder Downloaden bei Paulinchen e.V. (www.paulinchen.de). Brandverletzte Jugendliche zwischen 12 und 21 Jahren können sich auf der Informations- und Austauschplattform "DEIN Portal" (www.paulinchen-deinportal.de) im Chat unterhalten, unterstützen und zur Seite stehen.